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  Previous issue (2016. Vol. 14, no. 1)

Tätigkeitstheorie: E-Journal for Activity Theoretical Research in Germany

Publisher: Georg Rückriem & Hartmut Giest

ISSN: 2191-6667

Published since 2010 till 2019

Published quarterly

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Open Access Journal

 

Stimmigkeit in Bewegung – Vorüberlegungen zu einer tätigkeitstheoretischen Didaktik tanzkünstlerischer Praxis 112

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Temme D.
Professor of Sports Science, Teaches Dance and Movement Culture, German sport University in Cologne

Abstract
Woran zeigt sich das Gelingen einer Tanzbewegung? Die Frage mag trivial erschei-nen, gibt der Tanz doch typischerweise bestimmte Techniken als Idealbewegungen vor, die als Maß für ein Gelingen gelten können. Was aber, wenn der Tanz gerade keine bestimmten Bewegungsvollzüge zum Abgleich vorgibt? Wenn prinzipiell jede Bewegung Tanz sein kann? So definiert Pina Bausch den Tanz wie folgt: „Es kann fast alles Tanz sein. Es hat mit einem bestimmten Bewusstsein, mit einer bestimmten inneren, körperlichen Haltung, mit einer ganz großen Genauigkeit zu tun“ (Bausch, zitiert nach Servos 2003, 237). Wie lässt sich das Maß des Gelingens für diesen Fall konkretisieren? Worauf bezieht sich die von Bausch betonte Genauigkeit, wenn keine bestimmten Tanzbewegungen – Techniken – vorgegeben sind? Und vor allem: Was hängt davon – vom Gelingen einer Tanzbewegung – im Kontext didaktischer Überlegungen ab? Die Reflexion des Gelingens von Tanzbewegung ist zentral für bewegungskünstlerische Bildungsprozesse und für eine Didaktik des Tanzes, die den Tanz selbst zum allesentscheidenden Gegenstand von Bil-dungsprozessen setzt. Wesentlich ist, dass die Frage der Gelingensbestimmung im Tanz ganz entscheidend davon abhängt, welches theoretische Vorverständnis von Bewegung und Tanzbewegung je schon vorgegeben ist. Zentral ist hier das Wie der Konzipierung des Verhältnisses von körperlichem Bewegungsvollzug und geistigem Tun. Die These des Beitrags ist, dass mit einer tätigkeitstheoretischen Konzeptuali-sierung von Bewegung und Tanzbewegung eine Möglichkeit gegeben ist, Gelingen von Tanzbewegung zum Einen an der Bewegung selbst und zugleich jenseits eines reinen Geschmacksurteils festzumachen und theoretisch zu präzisieren. Die Theorie der Tätigkeit setzt menschliches Tun als ein logisches Zugleich von körperlichem Bewegungsvollzug und der Bedeutung dieses Bewegungsvollzugs. Dies widerspricht einer Auffassung, welche die Bewegung mit dem physischen Vollzug der Bewegung gleichgesetzt. Genauigkeit und Gelingen von Bewegung lassen sich mit einer tätigkeitstheoretischen Konzeption in Bezug zur sich körperlich manifestierenden Bedeutung – dem semantischen Gehalt – der Bewegung fassen. Hierin liegen die Möglichkeit und der Gewinn einer tätigkeitstheoretischen Konzeptualisierung menschlicher Bewegung bzw. tänzerischer Bewegung als Kern jedes tanzunterrichtlichen Geschehens. Mit der Setzung eines logischen Zugleichs von Bewegung und Bedeutung bezieht sich ein Gelingen von Tanzbewegung auf die Stimmigkeit des Verhältnisses von Bewegung und Bedeutung. Es geht für den Tanzenden konkret darum zu reflektieren, ob – und falls ja – inwiefern und inwieweit sich die Bedeutung der Bewegung im körperlichen Vollzug der Bewegung realisiert. Diese Reflexion bildet den Kern tänzerischer Bildungsprozesse und ist zentraler Bezugspunkt tanzdidaktischer Konzepte, welche den Tanz als Medium und nicht als bloßes Mittel von Bildungsprozessen auffassen.

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Wir sind Zuschauer eines Tanzstücks – beispielsweise als Teil eines Publikums im Theater. Aus dem Fluss der Bewegungen sticht eine der Bewegungen heraus. Sie erscheint als besonders gelungen.

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